Pflingstlager in der Südheide

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Traditionell verbringen wir die Zeit zwischen Himmelfahrt und Pfingsten am Segelflugplatz Berliner Heide. Für viele beginnt damit ganz offiziell die beste Zeit des Jahres, denn die Thermik wird stabiler, die Tage länger und der Flugplatz füllt sich wieder mit Leben. Genau diese Mischung aus Flugbetrieb, gemeinsamen Abenden und Zeit mit Freunden macht die Tage dort für uns jedes Jahr aufs Neue besonders. Dieses Mal war der Aufenthalt allerdings ein wenig anders als sonst. Da unser Nachwuchs nicht mehr lange auf sich warten lässt, haben wir uns bewusst gegen eine komplette Woche am Flugplatz entschieden und waren stattdessen nur tageweise vor Ort. Trotzdem wollten wir uns die besondere Atmosphäre dort nicht entgehen lassen – und ehrlich gesagt reichen oft schon wenige Stunden auf dem Flugplatz, um komplett abzuschalten.

Schon morgens herrscht in der Berliner Heide diese ganz eigene Stimmung. Während die ersten Flugzeuge aus den Hallen geschoben werden, irgendwo Kaffee gekocht wird und die Wetterprognosen diskutiert werden, merkt man schnell: Hier geht es nicht nur ums Fliegen. Es geht um Gemeinschaft. Jeder hilft mit, jeder packt an und genau deshalb funktioniert der Flugbetrieb überhaupt erst.

Denn Segelfliegen ist am Boden absoluter Teamsport. Flugzeuge aufbauen, Startlisten organisieren, Winde fahren, Flugzeuge zurückholen oder gemeinsam auf das Wetter schauen – ohne die vielen Helfer würde kein einziges Flugzeug in die Luft kommen. Und genau das macht diesen Sport aus unserer Sicht so besonders. Egal ob Schüler, Student, Handwerker, Ingenieur, Lehrer oder Rechtsanwalt: Am Flugplatz verschwinden viele Unterschiede erstaunlich schnell. Dort zählt nicht, welchen Beruf man ausübt oder welches Auto man fährt. Dort zählt, dass man gemeinsam einen guten Tag verbringt und sich gegenseitig unterstützt.

Und dann kommt natürlich noch das eigentliche Fliegen dazu. Wer einmal lautlos unter einer schönen Cumuluswolke gekreist ist, versteht ziemlich schnell, warum Segelfliegen so faszinierend ist. Dieses lautlose Gleiten, das Arbeiten mit der Natur und die Ruhe dort oben sind schwer zu beschreiben. Jeder Flug fühlt sich anders an und genau das macht den Reiz aus. Manchmal trägt die Thermik stundenlang, manchmal muss man kämpfen, manchmal reicht es nur für eine kleine Platzrunde – aber genau das gehört dazu.

Mein persönliches Ziel für die Tage am Flugplatz war es, jeden Flugtag auch selbst in die Luft zu kommen. Und tatsächlich hat das ziemlich gut funktioniert. Einige Stunden Air-Time sind so zusammengekommen und es gab wieder viele dieser besonderen Momente, die man vom Boden aus kaum erklären kann. Einer davon war sicherlich ein gemeinsamer Thermikflug mit einer DG-505, bei dem auch eines meiner absoluten Lieblingsbilder des Wochenendes entstanden ist.

Natürlich gehört zum Segelfliegen aber auch die andere Seite dazu. Wenn plötzlich ein kräftiger Schauer über den Platz zieht, werden eben nicht nur die Piloten nass, sondern auch die Flugzeuge einmal komplett eingeweicht. Dann wird nach dem Fliegen nicht nur abgerüstet, sondern direkt mit Lappen und Handtüchern weitergearbeitet. Auch das gehört zum Vereinsleben dazu – und irgendwie machen genau diese Momente den Sport am Ende so sympathisch.

Was uns immer wieder auffällt: Viele Menschen haben ein völlig falsches Bild vom Segelfliegen. Oft hört man direkt Aussagen wie „Das muss doch unglaublich teuer sein“ oder „Das können sich doch nur wenige leisten“. Natürlich kostet Fliegen Geld – wie fast jedes Hobby. Aber im Vergleich zu vielen anderen Sportarten ist Segelfliegen deutlich erschwinglicher, als die meisten vermuten würden. In vielen Vereinen liegen die monatlichen Beiträge ungefähr auf dem Niveau eines Fitnessstudios. Andere Hobbys wie Reiten, Motorsport oder manche Teamsportarten sind teilweise deutlich kostenintensiver. Gleichzeitig bekommt man beim Segelfliegen nicht nur einen Sport, sondern eine Gemeinschaft, technische Ausbildung, Verantwortung und Erlebnisse, die man so kaum woanders findet.

Vielleicht ist genau das der Grund, warum uns die Zeit am Flugplatz immer wieder so gut tut. Man verbringt den ganzen Tag draußen, trifft tolle Menschen, arbeitet gemeinsam an einem Ziel und erlebt gleichzeitig diese besondere Freiheit in der Luft. Für uns gehört die Berliner Heide inzwischen einfach fest zum Frühjahr dazu – auch wenn unsere Besuche in Zukunft vielleicht etwas familienfreundlicher und weniger spontan werden dürften.

Beste Grüße,
David

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